Jäger spüren verletzte Wildtiere auf

Der Landbote vom 10.04.2018

ELGG Angefahrene oder angeschossene Wildtiere müssen rasch gefunden werden. Damit das klappt, legen Jäger eine Prüfung ab. Ein Augenschein im Jagdrevier Hofstetten-Schauenberg.

Prüfung bestanden: Jäger Jürg Bay hat mit seinem Hund die Wildtierattrappe gefunden. Foto: Marc Dahinden

Jürg Bay streift mit seinem Deutschen Wachtelhund Hasko durch den Wald beim Schauenberg in der Nähe von Elgg. Hasko trägt eine lange orangefarbene Leine, eine sogenannte Schweissleine. Die beiden legen die Nachsuche- oder Schweissprüfung ab. Dabei sucht der Jäger mithilfe seines Hundes ein verletztes oder totes Tier. Allein im Kanton Zürich werden jährlich 1700 Rehe bei einer Kollision mit einem Fahrzeug verletzt oder getötet.

Die verletzten Tiere müssen nachgesucht werden, auch weil es das Gesetz so verlangt. «Diese Nachsuche sowie diejenigen auf Jagden übernehmen ausschliesslich Jägerinnen oder Jäger mit ihrem Hund, die eine solche Prüfung abgelegt haben», sagt Reto Muggler, Prüfungsleiter aus Winterthur. Es sei wichtig, dass diese Suche von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt wird.

Knochenteile und Schweiss

Damit die Prüfungsfährten möglichst echt wirken, hat sie Reto Muggler zusammen mit den Prüfungsrichtern sowie den Revierführern am Abend zuvor gelegt. Beim sogenannten Anschuss, also da, wo das Tier angefahren oder angeschossen wurde, liegen Haare des verletzten Tieres, manchmal auch Knochenteile und etwas Schweiss, wie Blut in der Jägersprache genannt wird. Danach gehen die Fachleute mit Fährtenschuhen, an denen Läufe eines toten Tieres befestigt sind, die Fährte ab. «Anhand der Spuren beim Anschuss kann der Jäger beurteilen, an welcher Stelle das Tier verletzt wurde und wie schwer die Verletzung ist», sagt Reto Muggler weiter. Wenn der Jäger sehe, dass die Verletzung nicht tödlich sei, warte er ein paar Stunden, bis das Tier Adrenalin abgebaut habe. «Sonst kann es sein, dass der Jäger und der Hund das Tier mehrere Tage verfolgen müssen.» Das wolle man aus Tierschutzgründen vermeiden und dem Tier so unnötiges Leiden ersparen.

Immer der Spur entlang

Am vergangenen Sonntag legten insgesamt neun Teams ihre Prüfung ab. Jeder Hundeführer und sein Hund muss eine separate Fährte bestreiten. Am Anschuss lässt der Hundeführer seinem Hund Zeit, die Fährte aufzunehmen. Dann folgt der Hund, die Nase meistens nahe am Boden, der Spur, die zum verletzten Tier führt. Die Fährte führt in diesem Fall nicht in flachem Gelände geradeaus, sondern rauf und runter. Jürg Bay muss deshalb ab und zu anhalten, um wieder zu Atem zu kommen. Sein Hund Hasko wartet geduldig auf ihn und nimmt dann konzentriert die Fährte wieder auf. Die Strecke ist etwa 500 Meter lang und nach 35 Minuten haben Hund und Jäger das tote Tier gefunden. «Das ist eine ausgezeichnete Leistung», resümiert der Prüfungsrichter Max Stacher und gratuliert dem Jäger. Jürg Bay ist stolz auf seine Leistung. Er und sein Hund haben sich zwei Jahre lang auf die Prüfung vorbereitet. «Ich habe wöchentlich eine Probefährte gelegt und diese mit Hasko absolviert.»

Die Prüfungsrichter legen vor allem Wert darauf, dass Jäger und Hund eine Einheit bilden. «Was am Schluss zählt, ist, dass das Tier gefunden wird», sagt Mugg­ler.

Die Jäger und ihre Hunde müssen bei einer Prüfung das Tier innerhalb einer Stunde gefunden haben. Der Hund darf dabei nicht von seiner Fährte abkommen. Wenn der Hund die Fährte verliert, rufen ihn die Richter nach einer gewissen Zeit ab. Von diesen sogenannten Abrufen darf der Jäger höchstens zwei haben, ansonsten ist die Prüfung vorbei. Daniela Oegerli

2018-04-16T09:44:58+00:00 16.04.18|