Um was geht es 2018-04-19T17:50:04+00:00

Um was geht es?

Annina Lutz, Jägerin, Zürich

« Der zunehmende Siedlungsdruck und das veränderte Freizeitverhalten der Bevölkerung wirken immer stärker auf Wälder und Fluren ein. Damit Mensch und Tier auch in Zukunft auf dem knapper werdenden Raum gut zusammenleben können, bedarf es sorgfältiger, intensiver Hege und Pflege. Dies mit dem Ziel, die Artenvielfalt und die Lebensräume unserer Wildtiere zu erhalten. Dafür setzen wir Milizjägerinnen und -Jäger im Kanton Zürich uns pro Jahr mit rund 400’000 Stunden ein. Und darauf sind wir stolz. »

Jungtiere sind oftmals durch Landwirtschaftsmaschinen gefährdet. Jägerinnen und Jäger sorgen dafür, dass Jungtiere während der Mäh- und Erntezeit aus der Gefahrenzone gebracht werden.

Jagd Zürich: Kurz & bündig

  • Die Jagd untersteht staatlicher Aufsicht. Der Kanton regelt die Planung des Wildtierbestandes im Rahmen eines professionellen Wildtiermanagements und setzt die Abschusspläne fest.

  • Die Jägerinnen und Jäger unterstehen der staatlichen Kontrolle und arbeiten in Übereinstimmung mit den kantonalen Behörden (z.B. dem Amt für Landschaft und Natur), der Kantonspolizei sowie den Gemeinden.

  • Die Jagdpachten werden von den Gemeinden in eigener Regie vergeben. Die Jägerinnen und Jäger liefern an Kanton und den Gemeinden dafür rund 760’000 Franken pro Jahr an Pachtzinsen ab. Zudem zahlen die Jägerinnen und Jäger rund 100’000 Franken pro Jahr in den Fonds für Wildschäden.

  • Das Jagdwesen ist als Milizsystem organisiert, d.h. die Jägerinnen und Jäger sind unentgeltliche Dienstleister: Sie

    • sorgen im Auftrag des Kantons für einen stabilen und gesunden Tierbestand;
    • arbeiten mit Förstern und Landwirten zusammen, um Schäden an Pflanzen und Bäumen sowie landwirtschaftlichen Nutzflächen durch Wildtiere zu vermeiden;
    • sind in einem engmaschigen Pikettdienst zusammengeschlossen und sind verpflichtet, bei Notfällen sowie Unfällen an 365 Tagen rund um die Uhr auszurücken.
  • Im Kanton Zürich gibt es 850 Jäger und Jagdaufseher. Dazu kommt die periodische Mithilfe von rund 400 Jägerinnen und Jägern auch ausserhalb der Gesellschaften. Zusammen gibt es also rund 1300 Jägerinnen und Jäger im Kanton Zürich.

  • Einen Jagdpass erhält nur, wer folgende Anforderungen erfüllt:

    • Mündigkeit besitzt
    • Keine Vorstrafen aufweist
    • Die erforderlichen Jagdkenntnisse besitzt
    • Seine Waffe sicher führt
    • Ein einwandfreies Leumundszeugnis besitzt
    • Die 2 ½ jährige Grundausbildung erfolgreich absolviert hat
  • Die Arbeit der Jägerinnen und Jäger geniesst in der Bevölkerung grosse Unterstützung:

    • 80% der Bevölkerung stimmen damit überein, dass die Jägerinnen und Jäger sich für die Umwelt und die Lebensräume der Tiere einsetzen.
    • 76% der Bevölkerung sind davon überzeugt, dass es eine Regulation der Tierbestände in unserer Kulturlandschaft braucht.
    • Über 80% der Bevölkerung wissen, dass die Jagd in der Schweiz tierschutzgerecht stattfindet.

    Quelle: Repräsentative Demo-Scope-Umfrage 2016, Schweiz

Andreas Buri, Ausschuss Zürcher Bauernverband

« Das heutige System der Jagd im Kanton Zürich hat sich aus Sicht der Landwirtschaft bewährt. Die Verhütung von Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Forst durch gezielte Jagdeingriffe hat eine sehr hohe Bedeutung. Deshalb lehnt der Zürcher Bauernverband auch die Initiative «Wildhüter statt Jäger» in aller Deutlichkeit ab. Dies, weil eine Jagd wie sie die Initiative will, unberechenbare Folgen und Schäden von landwirtschaftlichen Kulturen haben wird. Zudem sind staatliche Wildhüter teurer als die heutige Jagd. Dadurch steigt das Risiko, dass der Steuerzahler kein oder zu wenig Geld für Abwehrmassnahmen und die Entschädigung von Wildschäden aufbringen kann. Die vorliegende Initiative kommt sanft daher. Bei näherem Hinsehen entpuppt sie sich als unbedacht, kontraproduktiv und unberechenbar in ihren Auswirkungen. »

Martin Farner, FDP, Kantonsrat und Gemeindepräsident, Oberstammheim

« Mit der Abschaffung der Milizjagd würde man ein bewährtes und günstiges System gegen ein teures, bürokratisches und politisch bedenkliches ersetzen. »

Was machen Jägerinnen und Jäger?

Die meisten Menschen denken bei Jägerinnen und Jägern vor allem an das Erlegen von Tieren. Doch das ist nur der kleinste Teil der Aufgaben, welche die Jäger im Kanton Zürich erfüllen. Das moderne Jagdwesen umfasst viel mehr:

Die notwendige und streng überwachte Kontrolle und Regulation der Wildtierbestände durch die Jägerinnen und Jäger sorgen dafür, dass sich die verschiedenen Wildtierarten nicht unkontrolliert vermehren.

Warum ist das so wichtig? Würden sich die Tierbestände unkontrolliert vermehren, käme es unweigerlich zu folgenden Problemen:

1. Mehr Tiere im selben Gebiet führen zu einem Kampf um das knapper werdende Nahrungsangebot. Das bedeutet für die Tiere Stress, Krankheiten und Verdrängungskampf, was sich rasch negativ auf unsere derzeit gesunden Wildtierbestände auswirken würde.

2. Grössere Wildtierbestände erhöhen unweigerlich die Anzahl von Verkehrsunfällen. Das kann nicht im Interesse von Mensch und Tier sein.

3. Absehbar sind zudem vermehrt Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Waldbäumen. Durch das Abfressen der Triebe und Rinde kann sich der Wald nicht mehr verjüngen (sogenannte Verbiss- und Schälschäden) und vor allem Weisstannen und Eichen (beides wichtige Baumarten für die Zukunft) werden seltener.

4. Die Konflikte zwischen den betroffenen Menschen und den wild lebenden Tieren würden zunehmen. Der Druck auf den Staat, das schadenstiftende Wild zu dezimieren, wäre eine teure und nur mit grossem Aufwand zu erledigende Folge.

Damit das nicht passiert, brauchen wir weiterhin unser bewährtes Jagdwesen. Denn es sind die Jägerinnen und Jäger im Kanton Zürich, die seit Jahrzehnten für ein gutes und artgerechtes Zusammenleben von Mensch und Tier, von Natur und Zivilisation sorgen. Und das in einem stark urbanisierten Kanton. Der Tierbestand ist gesund und vielfältig. Die von wild lebenden Tieren verursachten Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen bewegen sich derzeit in einem für alle tragbaren Rahmen.

Martin Bäumle, GLP, Nationalrat und Stadtrat, Dübendorf

« Das Jagdwesen im Kanton Zürich funktioniert einwandfrei. Die Jägerinnen und Jäger sind gerade auch in allen Belangen des Tier- und Umweltschutzes gut ausgebildet und sensibilisiert. Ihr vom Kanton vorgegebener und kontrollierter Einsatz ist notwendig, da sich der Wildtierbestand in unseren Wäldern nicht von alleine regulieren kann. Es gibt daher keinen Anlass, vom bewährten Milizsystem bei der Jagd abzuweichen. Die Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» bringt keine Vorteile, wird aber mit Sicherheit zu hohen Kosten führen. »

Die rund 1‘300 Milizjäger im Kanton können über einen engmaschigen Pikettdienst an 365 Tagen rund um die Uhr in Not- oder Unfällen aufgeboten werden.

Jagd heute: Hobby oder Profession?

Im landläufigen Verständnis sind Jäger Frauen und Männer, die im grünen Gewand durch den Wald schleichen und wahllos Wildtiere jagen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Die rund 1300 Jägerinnen und Jäger sowie Jagdaufseher in unserem Kanton haben alle eine anspruchsvolle und hochstehende Ausbildung absolviert, die mit einem Fähigkeitsausweis abgeschlossen wird. Diese qualifizierende Ausbildung dauert 2,5 Jahre und ist damit eine der längsten, aufwendigsten und anspruchsvollsten Ausbildungen ausserhalb des Berufsbildungssystems in der Schweiz. Zu den Ausbildungsschwerpunkten gehören Wildtierbiologie, Wildtierökologie, Wildtiermanagement, Jagdliches Handwerk, Wildbretverwertung, Wildtierkrankheiten, Waffen, Munition, Optik, Jagdhunde und die gesetzlichen Vorgaben zur Ausübung der Jagd.

Das bedeutet:

1. Ein gut ausgebautes Weiterbildungsangebot, welches für Jagdaufseher teilweise auch obligatorisch ist, sorgt für den jagdlichen Kompetenzerhalt.

2. Jährlich muss die gesamte Jägerschaft eine Schiessprüfung bestehen, was den korrekten Umgang mit der Waffe sicherstellt.

3. Jägerinnen und Jäger sind regional verankert und in Jagdgesellschaften organisiert. Sie sind rund um die Uhr während sieben Tagen in der Woche durch einen engmaschigen und vernetzten Pikettdienst über den ganzen Kanton verteilt in den Gemeinden zur Stelle und können unverzüglich aufgeboten werden, wenn «Not am Tier» ist. Das gilt in besonderem Masse bei der Unterstützung von Autolenkern im Zusammenhang mit Wildunfällen. Rund 4’100 mal pro Jahr rücken Jäger aus, um bei Unfällen zu helfen.

4. Sie unterstützen Förster und Landwirte bei Einzäunungen und Bepflanzungen.

5. Die Jägerinnen und Jäger haben klare gesetzliche Vor- und Aufgaben. Sie handeln in Übereinstimmung mit dem Gesetzgeber, der kantonalen Jagdverwaltung sowie der Forst- und Landwirtschaft.

Mit anderen Worten: Die Jägerinnen und Jäger im Kanton Zürich sind Milizjäger, gut ausgebildete und verantwortungsvolle Menschen, denen der Schutz des Tieres und das artgerechte Nebeneinander von Mensch und Tier am Herzen liegt. Jägerinnen und Jäger sind kostenlose Leistungserbringer: An rund 400’000 Stunden im Jahr schützen, hegen und pflegen sie die in der Natur lebenden Tiere!

Urs Hilfiker, Jagdaufseher, Urdorf

« Der Schutz unserer Natur sowie der darin wild lebenden Säugetiere und Vögel ist eines der wichtigsten Anliegen unserer Zeit. Wir 1300 Milizjägerinnen und -jäger im Kanton Zürich sorgen mit unserer Arbeit dafür, dass Mensch und Natur in Einklang leben können. Dafür engagieren wir uns an 365 Tagen im Jahr. »

Die obligatorische 2 ½ jährige Ausbildung zum Millizjäger ist anspruchsvoll und umfangreich. Jährlich angebotene Fort- und Weiterbildungskurse, die teilweise obligatorisch sind, gewährleisten, dass die Milizjäger immer auf dem aktuellsten Stand sind. Dazu gehört auch die Ausbildung von Hunden zum Aufspüren von kranken oder verletzten Wildtieren.

Zürich ohne Milizjagd?

Das Wirken der rund 1300 Jägerinnen und Jäger im Kanton Zürich verläuft reibungslos und gut organisiert durch das ganze Jahr. So gut, dass wir es zumeist gar nicht wahrnehmen und gar nicht wissen, was die Jägerinnen und Jäger alles leisten.

Was würde eigentlich passieren, wenn wir im Kanton Zürich keine Jägerinnen und Jäger hätten?

  • Das Gleichgewicht von Mensch und Tier in der Natur würde aus den Fugen geraten.

  • Die fehlende Kontrolle der Tierbestände würde zu einer unkontrollierten Ausdehnung einiger Tierarten mit negativen Auswirkungen für die Tiere (Krankheiten, Stress) sowie für den Mensch führen (Unfälle).
  • Passiert z.B. ein Unfall mit einem Wildtier auf der Strasse, sind zumeist die örtlichen Jäger als Erstes zur Stelle, die sich um das verletzte Tier oder um ein totes Tier kümmern.
  • Im Kanton Zürich gibt es ca. 2000 bis 3000 Wildschweine. Ohne die Kontrolle der Jäger würden sich die Wildschweine aufgrund ihrer sehr grossen Reproduktionsrate (bis zu 300 Prozent pro Jahr!) rasant vermehren. Soll der Wildschweinbestand stabil bleiben, müssen also rund 600 Wildschweine pro Jahr gejagt werden. Passiert dies nicht, dringen die Wildschweine in Siedlungen ein und bringen dort Kinder und Erwachsene in Gefahr. In Kloten sorgte im Januar 2018 ein Wildschweinangriff auf einen Hund für Schrecken. Der Labrador Retriever wurde dabei Zürich ohne Milizjagd? schwer verletzt. Jäger sorgen dafür, dass dies gar nicht erst passiert oder wenn, dass die Gefahr schnell gebannt wird.

Das alles und noch viel mehr leisten die 1300 Jägerinnen und Jäger rund um die Uhr an 365 Tagen – unentgeltlich. Müssten sie durch Staatsjäger ersetzt werden, würde das den Steuerzahler gemäss Berechnungen des Zürcher Regierungsrates über 20 bis 30 Mio. Franken pro Jahr kosten und immensen bürokratischen Aufwand verursachen.

Es gibt also keinen vernünftigen Grund, das bewährte Jagdwesen in unserem Kanton zu verändern.

Robert Brunner, Kantonsrat Grüne, Steinmaur

« Die Initianten verlangen, dass alle erdenklichen Schutzmassnahmen getroffen werden, bevor Wildtiere gejagt werden dürfen. Alle landwirtschaftlichen Kulturen einzäunen? Der Lebensraum für Wildtiere würde dramatisch eingeschränkt! Die Volksinitiative schadet der Natur, schadet dem Wild. Darum Nein! »

Ein unkontrollierter Wildtierbestand würde zu vermehrten Schäden an landwirtschaftlichen Nutzflächen, Bäumen und Pflanzen sowie zu mehr Unfällen zwischen Mensch und Tier führen wie z.B. anfangs Januar 2018 in Kloten, bei dem ein Hund von einem Wildschwein verletzt wurde.

Roland Steiner, Revierförster Bachs und Stadel.

« Die steigenden Ansprüche der Gesellschaft und die Klimaveränderung sind grosse Herausforderungen für den Wald. Er kann sie nur bewältigen, wenn eine vielfältige und vitale Verjüngung sichergestellt ist. Ein nicht angepasster Wildbestand führt zu grossen Schäden an der Waldverjüngung. Deshalb braucht unser Wald eine aktive und erfolgreiche Jagd. »

Die Diskussion um das Jagdwesen ist oftmals von Unwissen, Vorurteilen und Clichés geprägt. Das Wissen um die umfangreichen Arbeiten, die die Jägerinnen und Jäger für Natur, Tier und Mensch leisten, schafft Klarheit!

Wildbret: Nachhaltiges lokales Lebensmittel

Aufgrund der vom Kanton vorgegebenen und streng kontrollierten Jagdzahlen dürfen die Jäger jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Tiere jagen, um den Bestand in unserem Kanton konstant zu halten.

Dieses Wildbret – also Fleisch von frei lebenden Tieren, die dem Jagdrecht unterliegen – ist in Restaurants und Metzgereien sehr beliebt. Zu Recht: Denn es handelt sich um nachhaltiges, hochwertiges und lokales Fleisch. Das Wildbret aus den Jagdrevieren des Kantons Zürich hat daher nichts zu tun mit dem Fleisch aus Massentierhaltung, sondern stammt aus der freien Wildbahn. Zudem leidet das hiesige Wild nicht unter den zum Teil fragwürdigen und wenig artgerechten Transporten in Schlachthöfe.

Ernst Bachmann, Präsident Gastro Zürich und Wirt

« Die Milizjagd im Kanton Zürich ist bewährt und verläuft ohne Probleme. Es gibt keinen Grund, das Jagdwesen mit Verboten zu belegen und durch bürokratische, teure und unsinnige staatlich bezahlte Jäger zu ersetzen. Zudem sind wir Gastwirte sowie unsere zahlreichen Gäste froh, hochwertiges Wildfleisch aus der Zürcher Jagd zu erhalten. »

Wild ist ein hochwertiges, nachhaltiges und tierschutzkonformes Lebensmittel. Das Wildbret aus der hiesigen Jagd hat nichts mit dem Fleisch aus der Massentierhaltung zu tun.